Ausstellung · 17. & 18. Juni 2026 · Wettenberg
Rechter Terror in Hessen
Eine Wanderausstellung über Orte rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in unserem Bundesland – und ein digitales Begleitangebot für Schüler:innen, Besucherinnen und Besucher.
Für Schüler:innen & Klassen
Du besuchst die Ausstellung mit der Schule?
Bereite dich auf den Rundgang vor: Begriffe verstehen und das Arbeitsblatt in drei Phasen – direkt am Handy, druckbar.
Worum es geht
Die Ausstellung „Un|sichtbarer Terror. Orte rechter Gewalt in Deutschland – Rechter Terror in Hessen“ macht sichtbar, was oft übersehen wird: Orte in ganz Hessen, an denen Menschen aus rassistischen, antisemitischen oder politischen Motiven angegriffen oder getötet wurden. Großformatige Fotografien zeigen diese Orte heute – ruhige Bilder von Plätzen, an denen Schreckliches geschah.
Die Ausstellung ist ein Projekt des DGB Bildungswerk Hessen e.V., gefördert von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung. Sie beruht auf dem Buch „Rechter Terror in Hessen – Geschichte, Akteure, Orte“ von Sascha Schmidt und Yvonne Weyrauch (Wochenschau Verlag, 2023). Die Fotografien stammen von Mark Mühlhaus.
Dieses Begleitmaterial wurde vom Verein Wettenberg bleibt bunt erstellt. Es ersetzt nicht die Ausstellung, sondern bereitet auf den Besuch vor und hilft, das Gesehene einzuordnen.
Den Opfern einen Namen geben
Wir erinnern an die Menschen
Hinter jeder Tat stehen Menschen – mit Namen, mit Geschichten, mit Familien. Das Buch zur Ausstellung ist diesen Menschen gewidmet. Erinnern beginnt damit, ihre Namen zu nennen und sie nicht zu vergessen.
- Josef Arnold
- Walter Wehrli
- Nguyễn Ngọc Châu
- Đỗ Anh Lân
- Eine dreiköpfige Familie aus Sri Lanka
- Blanka Zmigrod
- Ali Bayram
- Piotr Kania
- Enver Şimşek
- Dorit Botts
- Jeremiah Duggan
- Halit Yozgat
- Charles Werabe
- Walter Lübcke
- Gökhan Gültekin
- Sedat Gürbüz
- Said Nesar Hashemi
- Mercedes Kierpacz
- Hamza Kurtović
- Vili Viorel Păun
- Fatih Saraçoğlu
- Ferhat Unvar
- Kaloyan Velkov
Die letzten neun Namen sind die Menschen, die am 19. Februar 2020 beim rassistischen Anschlag in Hanau ermordet wurden. Ihre Angehörigen kämpfen seither dafür, dass diese Namen nicht vergessen werden.
Orte in Hessen
Eine Zeitleiste – von 1951 bis heute
Die Ausstellung dokumentiert Orte über mehrere Jahrzehnte hinweg. Diese Zeitleiste folgt den in der Ausstellung gezeigten Orten. Sie zeigt: Rechter Terror ist kein neues Phänomen – und er geschah nicht an fernen Orten, sondern in hessischen Städten und Dörfern. Auch ganz in unserer Nähe.
- April 1951 · Wald-MichelbachWald-Michelbach
Ein dokumentierter Ort rechter Gewalt aus der frühen Nachkriegszeit. Die Ausstellung erläutert die Hintergründe vor Ort.
- November 1979 · RasdorfRasdorf
Bei Josef Arnold und Walter Wehrli, an die das Buch erinnert. Die Ausstellung zeigt den Ort und die Zusammenhänge.
- 12. Januar 1980 · FrankfurtKatharinenkirche, Frankfurt
Ein Ort eines Anschlags zu Beginn der 1980er Jahre – einer Phase, in der rechtsterroristische Gruppen besonders aktiv waren.
- 2. Januar 1982 · DarmstadtDarmstadt
Dokumentierter Ort rechter Gewalt. Hintergründe erklärt die Ausstellung.
- 2. August 1982 · RodgauRodgau Nieder-Roden (Lkr. Offenbach)
Hier wird unter anderem an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân erinnert.
- 13. Dezember 1982 · ButzbachButzbach
Dokumentierter Ort rechter Gewalt im Wetteraukreis.
- 12. März 1989 · WiesbadenRömerberg, Wiesbaden
Dokumentierter Ort rechter Gewalt am Ende der 1980er Jahre.
- 31. Januar 1992 · LampertheimLampertheim (Kreis Bergstraße)
Ein Ort aus der Welle rassistischer Gewalt der frühen 1990er Jahre.
- 23. Februar 1992 · FrankfurtFrankfurt/Main
Hier erinnert das Buch an Blanka Zmigrod, die ermordet wurde.
- 23. November 1992 · WiesbadenWiesbaden
Dokumentierter Ort rechter Gewalt – in einem Jahr besonders vieler rassistischer Angriffe bundesweit.
- 18. Februar 1994 · DarmstadtDarmstadt
Dokumentierter Ort rechter Gewalt.
- 6. November 1994 · Rotenburg a. d. FuldaRotenburg an der Fulda
Hier wird an Piotr Kania erinnert.
- 17. August 2001 · FuldaFulda
Hier erinnert das Buch an Dorit Botts.
- 6. April 2006 · KasselKassel
Halit Yozgat wurde in seinem Internetcafé vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) ermordet – einer rechtsterroristischen Gruppe, deren Mordserie erst 2011 aufgedeckt wurde.
- 20. Juli 2008 · Schwalm-Eder-KreisCampingplatz am Neuenhainer See
Dokumentierter Ort rechter Gewalt in Nordhessen.
- Winter 2009/2010 · Gießen & WetzlarGießen und Wetzlar In unserer Nähe
Direkt vor unserer Haustür: Gießen und Wetzlar liegen unmittelbar neben Wettenberg. Rechter Terror ist nichts, das nur „woanders“ passiert.
- 23. Oktober 2014 · LimburgLimburg, Brückengasse 2
Hier wird an Charles Werabe erinnert, der Opfer rassistischer Gewalt wurde.
- 14. Oktober 2015 · LohfeldenLohfelden (Lkr. Kassel)
Bei einer Bürgerversammlung trat der spätere Mordopfer Walter Lübcke für die Aufnahme Geflüchteter ein. Die Veranstaltung wurde zum Ausgangspunkt von Hetze gegen ihn.
- 6. Januar 2016 · LohfeldenLohfelden (Lkr. Kassel)
Dokumentierter Ort rechter Gewalt.
- Jan.–Sept. 2019 · Taunusstein-HahnTaunusstein-Hahn (Rheingau-Taunus)
Dokumentierter Ort rechter Gewalt gegen Geflüchtete.
- 22. Juli 2019 · WächtersbachWächtersbach (Main-Kinzig-Kreis)
Ein Mann eritreischer Herkunft überlebte einen rassistisch motivierten Mordversuch nur knapp.
- 19. Februar 2020 · HanauHanau
Bei einem rassistischen Anschlag wurden neun Menschen ermordet: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov.
- 21. Juni 2020 · KasselKassel
Dokumentierter Ort rechter Gewalt. Die Ausstellung erläutert die Hintergründe vor Ort.
Diese Kurzbeschreibungen sollen nicht die Ausstellung ersetzen. Die Tafeln vor Ort erzählen die Geschichten ausführlicher und genauer. Nimm dir Zeit, sie zu lesen.
Begriffe verstehen
Worte, die in der Ausstellung vorkommen
Manche Begriffe klingen ähnlich, bedeuten aber Verschiedenes. Hier sind sie kurz und klar erklärt.
Rechtsextremismus
Eine politische Haltung, die Menschen nicht als gleichwertig ansieht. Rechtsextreme lehnen die Demokratie ab und teilen Menschen nach Herkunft, „Rasse“ oder Religion in „wertvoll“ und „weniger wert“ ein. Das widerspricht dem Grundgesetz, in dem steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Rechtsterrorismus
Gewalt – bis hin zu Mord –, mit der rechtsextreme Täter Angst verbreiten und die Gesellschaft einschüchtern wollen. Die Ausstellung zeigt, dass es solche Taten in Hessen seit Jahrzehnten gibt.
Rassismus
Die Vorstellung, Menschen seien wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Sprache unterschiedlich viel wert. Rassismus zeigt sich in Worten, in Ausgrenzung – und im schlimmsten Fall in Gewalt.
Antisemitismus
Feindschaft gegen Jüdinnen und Juden. Antisemitismus hat eine lange, furchtbare Geschichte und führte im Nationalsozialismus zum Massenmord an Millionen Menschen. Auch heute gibt es ihn noch.
NSU
Abkürzung für „Nationalsozialistischer Untergrund“ – eine rechtsterroristische Gruppe, die zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen ermordete, darunter Halit Yozgat in Kassel. Die Taten wurden erst 2011 als rechtsextreme Mordserie erkannt.
Erinnerungskultur
Die Art, wie eine Gesellschaft an wichtige – auch schmerzhafte – Ereignisse erinnert: durch Gedenktage, Denkmäler, Ausstellungen wie diese. Erinnern hilft, aus der Vergangenheit zu lernen.
Zivilcourage
Der Mut, in Alltagssituationen für andere einzustehen – zum Beispiel etwas zu sagen, wenn jemand beleidigt oder ausgegrenzt wird. Zivilcourage muss nicht gefährlich sein: Oft genügt es, hinzusehen, Betroffene anzusprechen und Hilfe zu holen.
Demokratie
Eine Gesellschaftsform, in der alle Menschen die gleichen Rechte haben und gemeinsam entscheiden. Demokratie lebt davon, dass Menschen mitmachen, andere Meinungen aushalten und Schwächere schützen.
Rundgang durch die Ausstellung
Aufgaben für deinen Besuch
Diese Aufgaben begleiten dich vor, während und nach dem Rundgang. Du kannst deine Antworten direkt hier eintippen und am Ende ausdrucken oder als PDF speichern. Die Eingaben werden nicht gespeichert – drucke sie aus, wenn du sie behalten möchtest.
1 Vor dem Rundgang
Was fällt dir ein, wenn du den Begriff „rechter Terror“ hörst? Schreibe drei Gedanken auf.
Schau dir die Zeitleiste oben an. Was überrascht dich? Was hättest du nicht erwartet?
2 Während des Rundgangs
Such dir einen Ort aus, der dich besonders berührt. Wo ist er? Was ist dort passiert?
Die Fotos zeigen die Orte, wie sie heute aussehen – oft ganz unscheinbar. Warum hat sich die Künstlerin/der Künstler wohl dafür entschieden, die Orte heute zu fotografieren statt die Taten selbst zu zeigen?
Notiere den Namen einer Person, an die erinnert wird, und – wenn die Tafel etwas darüber sagt – etwas über ihr Leben.
3 Nach dem Rundgang
Einer der Orte liegt direkt neben Wettenberg (Gießen/Wetzlar). Was bedeutet es für dich, dass so etwas auch ganz in der Nähe geschehen ist?
Was kann jede:r Einzelne tun, damit so etwas nicht wieder geschieht? Sammle Ideen.
Welche Frage ist nach dem Besuch in dir offen geblieben?
Für Lehrkräfte: Die Aufgaben eignen sich für Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit und für eine anschließende Gesprächsrunde im Sitzkreis. Es ist wichtig, nach einem so schweren Thema Raum für Gefühle und Fragen zu lassen.
Aus dem Erinnern wird Handeln
Was kann ich tun?
Erinnern ist wichtig – aber es bleibt nicht beim Erinnern. Demokratie lebt davon, dass Menschen sich einmischen. Hier sind konkrete Möglichkeiten, auch für Jugendliche.
Hinsehen & Haltung zeigen
Wenn jemand beleidigt oder ausgegrenzt wird: nicht wegschauen. Schon ein „Hör auf damit“ oder das Ansprechen der betroffenen Person kann viel bewirken.
Hilfe holen
Zivilcourage heißt nicht, sich selbst in Gefahr zu bringen. Erwachsene, Lehrkräfte oder die Polizei zu holen ist mutig und richtig.
Mitreden & wählen
Informiere dich, diskutiere mit, geh wählen, sobald du darfst. Auch in der Schule, im Verein und online zählt deine Stimme.
Mitmachen vor Ort
Wettenberg bleibt bunt veranstaltet Aktionen, Vorträge, Filme und einen Stammtisch. Komm vorbei – Engagement ist offen für alle.
Mehr über die Arbeit des Vereins: wettenberg-bleibt-bunt.de
Du bist nicht allein
Hilfe & Beratung
Wenn dieses Thema dich belastet, wenn du selbst Diskriminierung oder Gewalt erlebt hast oder jemanden kennst, dem das passiert ist: Es gibt Menschen, die zuhören und helfen – kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym.
response.
Beratung für Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Hessen. Standorte in Frankfurt und Kassel, mobil in ganz Hessen.
Beratungsnetzwerk Hessen
Demokratiezentrum Hessen – Anlaufstelle gegen Rechtsextremismus, mit Sitz in Marburg (in unserer Region).
Vorfälle melden
Rechte und rassistische Vorfälle können – auch anonym – online gemeldet werden über die Plattform „hessen schaut hin“.